Saskia Fechte, Stuttgart

Foto: privat
Menschen mit rheumatoider Arthritis (RA) sind doppelt gestraft. Sie leben nicht nur mit Gelenkschmerzen, sondern haben zusätzlich ein erhöhtes Risiko für schwindende Muskelmasse und -kraft, also Sarkopenie – und das schon in vergleichsweise jungen Jahren [2]. Elfmal häufiger trifft der Kraftverlust diese Patientengruppe, verglichen mit Gleichaltrigen. Die Begründung liegt zum einen in den stetigen Entzündungsprozessen, zum anderen kommt mangelnde Bewegung hinzu, die durch die krankheitsbedingten Schmerzen bei RA-Patienten leider verbreitet ist – ein Teufelskreis. Wie lange die chronisch-entzündliche Erkrankung schon besteht, scheint mehr als die Zahl der Lebensjahre entscheidend für die Entwicklung einer Sarkopenie zu sein. Auch wenn es ungewöhnlich erscheint, sollte eine entsprechende Diagnostik daher für RA-Patienten bereits im mittleren Lebensalter Anwendung finden. Damit gesellt sich auch die rheumatoide Arthritis zu den chronischen Krankheiten, die oftmals – durchaus berechtigt – vorrangig behandelt werden, aber die Entwicklung einer Sarkopenie überdecken können.
Ein Diabetes mellitus Typ 2 bringt ebenfalls weitere Gesundheitsbeeinträchtigungen mit sich, auch die Sarkopenie. Das ist wenig verwunderlich, denn die Hormone Insulin und Insulin-like Growth-Factor 1 (IGF 1) sind an der Muskulatur nicht nur für die Glucoseaufnahme und -verwertung zuständig, sie sind zudem über das intrazelluläre Signalsystem PI3K/Akt-Pfad wichtig für die Aufrechterhaltung der Muskelmasse [1]. So haben Typ-2-Diabetiker laut einer Untersuchung tatsächlich weniger Muskelmasse als gleichaltrige Nichtdiabetiker [3]. Zusätzliche Negativeffekte für die Muskulatur bringen offenbar die Antidiabetikagruppen der Glinide und Sulfonylharnstoffe mit sich. Hier lohnt es sich bei gefährdeten Patienten, über die wahrscheinlich eher muskelprotektiven Alternativen wie Insulin oder GLP-1-Analoga nachzudenken.
Wie eine Sarkopeniediagnostik im Optimalfall vonstatten geht und noch mehr detaillierte Informationen zu Pathophysiologie und möglichen Therapiemaßnahmen gegen den Muskelverlust finden Sie in der Übersicht auf Seite 128 ff. in dieser Ausgabe.
Ihre Zugangsdaten
Sie haben noch keine Zugangsdaten, sind aber MMP-Abonnent?
Registrieren Sie sich jetzt:
Nach erfolgreicher Registrierung können Sie sich mit Ihrer E-Mail Adresse und Ihrem gewählten Passwort anmelden.