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EditorialSaskia Fechte, Stuttgart

Eine Erkrankung bleibt selten allein

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ÜbersichtSabine Schlüssel und Michael Drey, München

Sarkopenie

Wenn Kraft und Muskelmasse schwinden

Die Sarkopenie, gekennzeichnet durch den Verlust von Muskelmasse und -kraft, ist eine multifaktorielle Erkrankung, die in Deutschland etwa 7 % der über 65-Jährigen betrifft. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen hormonelle Veränderungen, chronische Entzündungen, Mangelernährung und Bewegungsmangel. Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend. Zur Diagnosesicherung werden die Muskelkraft und -masse gemessen. Die Therapie konzentriert sich auf Krafttraining und eine proteinreiche Ernährung, wobei bei Komorbiditäten wie chronischen Nierenerkrankungen individuelle Anpassungen notwendig sind. Ein Patientenfall veranschaulicht die Komplexität der Sarkopenie in Verbindung mit Osteoporose und zeigt die Bedeutung eines multidisziplinären Ansatzes zur Erhaltung der funktionellen Gesundheit und Lebensqualität im Alter. Der Beitrag unterstreicht die Relevanz einer frühzeitigen Erkennung und eines multimodalen Behandlungsplans.
Med Monatsschr Pharm 2025;48:128–33. DOI: 10.52777/mmp20250001

FlaggeEnglish abstract

Sarcopenia: When strength and mass diminish

Sarcopenia, characterized by the loss of muscle mass and strength, is a multifactorial condition affecting approximately 7 % of individuals over 65 years old in Germany. Key risk factors include hormonal changes, chronic inflammation, malnutrition, and physical inactivity. Early diagnosis is critical, with the SARC-F questionnaire serving as a practical screening tool. Diagnostic confirmation involves assessing muscle strength (e.g., handgrip or chair-rising test) and muscle mass using DXA or BIA measurements. Interventions focus on resistance training and protein-rich nutrition, which are proven to be the most effective treatments. A daily protein intake of 1.2–1.5 g/kg body weight is recommended, while patients with comorbidities such as chronic kidney disease require tailored dietary adjustments.

Emerging pharmacological approaches, including testosterone replacement therapy and myostatin inhibitors, hold potential but are still under investigation. Preventive strategies emphasize regular physical activity, including strength and balance training, and sufficient protein intake. A patient case study highlights the complexities of sarcopenia, illustrating its overlap with osteoporosis (osteosarcopenia) and its management through multidisciplinary approaches. This comprehensive discussion underscores the importance of early detection and a multimodal treatment plan to preserve functional health and quality of life in older adults.

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ÜbersichtHans-Peter Lipp, Tübingen

Arzneimittelwechselwirkungen in der oralen CLL-Therapie

In der zielgerichteten oralen Therapie der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) haben die Bruton-Tyrosinkinase(BTK)-Inhibitoren, der B-Zell-Lymphom-2(Bcl-2)-Inhibitor Venetoclax und der Phosphatidylinositol-3-Kinase(PI3K)-Inhibitor Idelalisib in den letzten Jahren neue Maßstäbe gesetzt. Allerdings erfordert ihr Einsatz solide klinisch-pharmakokinetische Kenntnisse für eine Beratung. So unterliegt beispielsweise der BTK-Inhibitor Ibrutinib einem sehr ausgeprägten First-Pass-Effekt, sodass es bereits mit moderaten Induktoren und Inhibitoren des Cytochrom P450(CYP) 3A4 zu klinisch relevanten Wechselwirkungen kommt. Die Weiterentwicklungen Acalabrutinib, Zanubrutinib und Pirtobrutinib bieten diesbezüglich Vorteile. Auch bei Venetoclax ist im Rahmen einer unvermeidlichen Komedikation mit potenten CYP3A4-Inhibitoren auf eine ausgeprägte Dosisreduktion zu achten, um potenzielle schwere Toxizitäten einzugrenzen. Beim PI3K-Inhibitor Idelalisib kommt hinzu, dass es sich um einen starken CYP3A4-Inhibitor handelt, sodass es mit zahlreichen anderen Wirkstoffen zu einem deutlichen Anstieg der Plasmaspiegel kommen kann. Um die Komplexität möglicher klinisch-pharmakokinetischer Veränderungen besser eingrenzen zu können, wäre zweifelsohne der Zugriff auf ein therapeutisches Drug-Monitoring (TDM) hilfreich, was aber bis heute in vielen klinisch-onkologischen Zentren nicht etabliert ist.
Med Monatsschr Pharm 2025;48:135–44. DOI: 10.52777/mmp20250002

FlaggeEnglish abstract

Risks for drug-drug interactions (DDI) during oral treatment of chronic lymphocytic leukemia (CLL)

Oral Bruton tyrosine kinase inhibitors (BTK-I), venetoclax (bcl2-inhibitor) as well as the phosphatidyl inositol 3-kinase inhibitor (PI3K-I) idelalisib have set a new standard in the targeted treatment of CLL within the last years. However, solid knowledge regarding their clinical-pharmakokinetic pattern is mandatory for advisory capacity. E.g. Ibrutinib undergoes an extensive cytochrome P450 3A4 (CYP3A4)-mediated first-pass-effect which makes the drug very sensitive to moderate CYP3A4 inducing or inhibiting agents. In this context, further derivatives like acalabrutinib, zanubrutinib and pirtobrutinib are advantageous. In case of venetoclax, very accurate dose modifications have to be carried out when strong or moderate CYP3A4 inhibitors are unavoidable as comedication in order to avoid potentially severe side effects. Special attention is warranted when the PI3K-I idelalisib is used as comedication because this drug itself belongs to the group of strong CYP3A4 inhibitors with increased plasma levels of the CYP3A4 cosubstrates as a consequence. The potential complexity of DDI may be better tracked by therapeutic drug monitoring (TDM), which has, however, not yet been established in most clinical-oncological medical centers.

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Fragen aus der PraxisProf. Dr. Thomas Herdegen, Kiel

Wenn Medikamente auf die Leber schlagen – Hepatotoxizität von Arzneimitteln

Fragen aus der Praxis zum MMP-Webinar

Am 28. Januar 2025 fand das MMP-Webinar „Wenn Medikamente auf die Leber schlagen – Hepatotoxizität von Arzneimitteln“ statt. Prof. Dr. Thomas Herdegen, ehemals stellvertretender Direktor am Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie in Kiel, erläuterte in seinem Vortrag, wie Leberschädigungen vorhersehbar durch Überdosierungen oder unvorhersehbar bei regulärer Arzneimitteldosierung hervorgerufen werden können. Es wurden zahlreiche Fragen gestellt. Lesen Sie hier die Antworten des Experten.

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BerichtAnnika Harsch, Stuttgart

AMTS im Fokus

6. Kongress für Patientensicherheit bei medikamentöser Therapie

Am 24. und 25. Oktober 2024 fand der 6. Kongress für Patientensicherheit bei medikamentöser Therapie in Berlin statt. Neben erreichten Zielen des fünften Aktionsplans für Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) wurde thematisiert, in welchen Bereichen aktuell noch Handlungsbedarf besteht. Am Beispiel des Medication Safety Officers wurde gezeigt, in welchen Punkten andere Länder als Vorbild dienen können und welche Bereiche für den neuen Aktionsplan mit Förderzeitraum 2025 bis 2029 im Zentrum stehen sollen.
Med Monatsschr Pharm 2025;48:148–51.

Seite 152 - 153
BücherforumProf. Dr. Ulrike Holzgrabe, Würzburg

Ironie statt Präzision

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Referiert & kommentiertFriederike André, Hannover

Antibiotika

Auswirkungen präkonzeptioneller Antibiose auf weibliche Reproduktionsgesundheit

Mit einem Kommentar von Prof. Dr. Ulrike Holzgrabe, Würzburg
Dass die Einnahme bestimmter Antibiotika während einer Schwangerschaft zu Komplikationen führen kann, ist weitestgehend bekannt. Umstritten sind hingegen die Folgen einer präkonzeptionellen Antibiotikaexposition. In einer Metaanalyse wurde der Zusammenhang zwischen einerAntibiose vor der Empfängnis und möglichen Auswirkungen auf die Reproduktionsgesundheit untersucht.

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Referiert & kommentiertDr. Miriam Sonnet, Rheinstetten

Diabetes mellitus Typ 2

Empagliflozin verringert Risiko für das Fortschreiten einer diabetischen Retinopathie

Die Therapie mit dem Natrium-Glucose-Transporter-2(SGLT-2)-Inhibitor Empagliflozin steht offenbar nicht mit einer neu aufgetretenen nichtproliferativen diabetischen Retinopathie in Zusammenhang. In einer Kohortenstudie war die Substanz vielmehr mit einem um 22 % geringeren Risiko für das Fortschreiten einer diabetischen Retinopathie assoziiert.

Seite 154 - 163
Referiert & kommentiertSaskia Fechte, Stuttgart

Diabetes mellitus Typ 2

Kein SGLT-2-Hemmer ist besser als der andere

Der kardiorenale Zusatznutzen von Inhibitoren des Natrium-Glucose-Cotransporters 2 bei Typ-2-Diabetes ist vielfach beschrieben. Doch wie schneiden verschiedene Wirkstoffe im direkten Vergleich ab? Dazu liegt eine vergleichende Wirksamkeitsstudie zu Dapagliflozin gegenüber Empagliflozin zum Herz-Kreislauf-Schutz vor sowie ein Vergleich der Niereneffekte dieser beiden Substanzen.

Seite 154 - 163
Referiert & kommentiertDr. Miriam Sonnet, Rheinstetten

Hormonelle Kontrazeptiva

Welche Präparate erhöhen das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt?

Einige hormonelle Kontrazeptiva sind laut einer dänischen Kohortenstudie mit einem erhöhten Risiko für ischämische Schlaganfälle und Herzinfarkte assoziiert. Das gilt besonders sowohl für die kombinierte Pille als auch für das rein gestagenhaltige Präparat. Daher sind die Risiken bei der Verordnung in die Überlegungen miteinzubeziehen.

Seite 154 - 163
Referiert & kommentiertMathias Kupfer, Jena

Hautmikrobiom

Einfluss von Pflegeprodukten auf das Hautmikrobiom

Ergebnisse einer randomisierten Studie geben Hinweise auf die Verbesserung des Hautmikrobioms nach Anwendung von kosmetischen Hautpflegeprodukten mit einem pH-Wert < 5.

Seite 154 - 163
Referiert & kommentiertAlexandra Hinsken, Wiesbaden

Postmenopausale Wirbelfrakturen

Zoledronat-Infusionen im 5-Jahres-Rhythmus

Mit einem Kommentar von Dr. rer. nat. Isabel Waltering, Münster
Die meisten Strategien zur Frakturprävention legen ihren Therapieschwerpunkt auf ältere Menschen sowie Personen mit niedriger Knochenmineraldichte oder mit Knochenbrüchen in der Anamnese. Eine doppelblinde, randomisierte Placebo-kontrollierte Studie untersuchte die Wirksamkeit von zweimaliger Zoledronat-Gabe bei Frauen zwischen 50 und 60 Jahren.

Seite 154 - 163
Referiert & kommentiertSaskia Fechte, Stuttgart

Wussten Sie schon …?

Diabetes durch Immuncheckpoint-Inhibitoren