Metabolismus-Marketing
Orphan Drugs
Arzneimittel zur Therapie seltener Krankheiten
Für Arzneimittel zur Therapie von seltenen Krankheiten gelten besondere Bestimmungen für Zulassung und Markteinführung, um die klinische Forschung und die Entwicklung von Wirkstoffen auch für finanziell weniger lukrative Bereiche zu fördern. Mehr als 50 % der zugelassenen Wirkstoffe dienen zur Behandlung von Krebserkrankungen. Bis Juni 2004 wurden in Europa 14 Fertigarzneimittel nach der Orphan-Drug-Regelung zugelassen.
Therapie der Malaria
Mit jährlich schätzungsweise 300 bis 500 Mio. Neuerkrankungen und 1,5 bis 2,7 Mio. Toten in nahezu allen tropischen und subtropischen Regionen der Erde gehört die Malaria zu den bedeutsamsten Infektionskrankheiten des Menschen. Der hohen Zahl von Erkrankungs- und Todesfällen steht eine theoretisch annähernd 100%ige Heilungsaussicht gegenüber, die im Fall eines frühzeitigen Beginns einer adäquaten Therapie erreichbar wäre. Einen für die Therapie aller Malariaformen anwendbaren „Goldstandard“ gibt es allerdings nicht, da sich die Entwicklungszyklen der vier humanpathogenen Malariaerreger Plasmodium falciparum, P. malariae, P. ovale und P. vivax unterscheiden und die Resistenzraten gegenüber den verwendeten Arzneistoffen je nach Spezies und Region stark variieren. Insbesondere in Afrika und Südostasien auftretende Chloroquin-resistente P.-falciparum-Stämme bereiten therapeutische Probleme. Bei einer Einteilung der Malariamittel nach ihrem Wirkungsmechanismus werden in der Regel Inhibitoren der Häm-Polymerase und Hemmstoffe der Nucleinsäuresynthese unterschieden. Daneben gibt es seit langem bekannte Substanzen mit komplexen und zum Teil noch nicht verstandenen Wirkungsmechanismen sowie eine Reihe neuer Arzneistoffe, zu deren Wirkungsweise bislang nur wenige Daten vorliegen. Die Entdeckung eines metabolisch aktiven Organells in den humanpathogenen Plasmodium-Arten eröffnet eine Vielfalt neuer Therapiemöglichkeiten und lässt auf die erfolgreiche Anwendung bewährter antibakteriell wirksamer Substanzen für die Behandlung der Malaria hoffen.
Hitzefolgekrankheiten
Bericht zu einer Stellungnahme der Kommission „Hitzetote“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Der Sommer 2003 war in vielen Ländern Europas und in Deutschland durch eine außergewöhnliche und lang anhaltende Hitzeperiode im Monat August geprägt. Diese Hitzewelle hatte gesundheitliche Auswirkungen für die Bevölkerung, die sich insbesondere in einer Übersterblichkeit bestimmter Risikogruppen (z. B. alte und geschwächte Menschen) zeigten. Erste Abschätzungen der hitzeassoziierten Übersterblichkeit für Frankreich, das in besonderem Ausmaß betroffen war, gehen von über 14 000 zusätzlichen Todesfällen gegenüber einer Vergleichsperiode in den Jahren 2000 bis 2002 aus. Bis zum Jahr 2003 war in vielen mittel- und nordeuropäischen Ländern die gesundheitliche Bedrohung größerer Bevölkerungsteile durch Hitze nicht als ein Problem mit möglichem epidemischen Ausmaß angesehen worden. Auf Grund der Erfahrungen des vergangenen Sommers wurden jedoch verstärkt Maßnahmen zur Vorhersage und Prävention ähnlicher Ereignisse diskutiert und entsprechende Empfehlungen formuliert.
Schockartiger Zustand nach Impfung eines Säuglings – darf man weiterimpfen?
Nach der Impfung eines vier Monate alten infektfreien Säuglings mit Hexavac®, legte die Mutter diesen etwa vier Stunden später nach dem Mittagschlaf auf den Rücken auf eine Decke unter ein Spieltrapez und ließ ihn für eine Weile unbeobachtet. Da es auf einmal ruhig war, schaute die Mutter nach und fand ihren Sohn blass, hypoton und apathisch vor. Der Zustand dauerte maximal 10 bis 20 Minuten. Bei Eintreffen des Krankenwagens war das Kind wieder aktiv, im weiteren Verlauf unauffällig. Wie darf/kann dieser Säugling weiter geimpft werden? Sind dabei Sicherheitsvorkehrungen zu beachten?
Alzheimer-Demenz
Rofecoxib nicht wirksam
Der COX-2-Hemmer Rofecoxib ist in der Behandlung der Alzheimer-Krankheit nicht wirksam. Das ergab eine 12-monatige Plazebo-kontrollierte Studie.
Osteoporose bei Älteren
Weniger Stürze bei Alfacalcidol-Einnahme
Neben anderen Faktoren kann ein Mangel an Calcitriol durch eine Niereninsuffizienz zu Stürzen bei älteren Menschen führen. Calcitriol-Spiegel und Creatinin-Clearance korrelieren signifikant. Unter der Behandlung mit dem Vitamin-D3-Metaboliten Alfacalcidol (z. B. Doss®) sank das Sturzrisiko, und Osteoporose-bedingte Knochenbrüche wurden verhindert.
Kniegelenkarthrose
Intraartikuläre Glucocorticoid-Injektion sinnvoll
Die intraartikuläre Injektion von Glucocorticoiden bei Kniegelenkarthrose reduziert die klinische Symptomatik sowohl kurz- als auch langfristig, so das Ergebnis einer gepoolten Analyse. Die „number needed to treat“ lag zwischen 1,3 und 4,4 Patienten.
Diabetes mellitus Typ 2
Zimt als Antidiabetikum?
Mit Zimt zusätzlich zur Standardtherapie konnte in einer kleinen Studie bei Typ-2-Diabetikern eine Verbesserung der Glucose- und Lipidwerte erreicht werden.
Antiemese bei Chemotherapie
Serotonin-Antagonist plus Aprepitant
Mit den bisher verfügbaren Therapiestrategien lässt sich nicht bei allen Patienten ein ausreichender antiemetischer Schutz erreichen. Mit dem neuen Neurokinin-1-Rezeptorantagonist Aprepitant steht eine Substanz zur Verfügung, die bei zusätzlicher Gabe zur Standardtherapie eine bessere Kontrolle sowohl der akuten als auch der verzögerten Form von Übelkeit und Erbrechen ermöglicht.
Misteltherapie
Wirksamkeit bei Krebs nicht nachgewiesen
Neuere, häufig zitierte Ergebnisse einer klinischen Studie, die für eine signifikante Wirksamkeit von Mistelpräparaten in der Krebstherapie sprechen, erscheinen bei genauerer Überprüfung fragwürdig.
Atemwegserkrankungen
Extraösophageale Manifestationen der Refluxkrankheit
Die gastroösophageale Refluxkrankheit kann auch zu vielen Symptomen außerhalb des Ösophagus führen, insbesondere an den Atemwegen. Wenn das Leitsymptom Sodbrennen fehlt, ist die Diagnose der extraösophagealen Manifestationen erschwert.
Persönlichkeitsstörungen
Aktuelle Aspekte zu Ursachen und Therapie der Borderline-Störung
Patienten mit Borderline-Störungen sind in ihrem zwischenmenschlichen Verhalten unberechenbar, schwanken zwischen Anklammerung und Ablehnung, bis zu offener Aggression. Plötzlich einschießende unerträgliche Spannungszustände entladen sich in Wutanfällen oder Selbstverstümmelung, zum Beispiel durch Schneiden oder Brennen. Die Ursachen werden nicht nur in der Biographie, sondern auch in der Neurobiologie vermutet. Zur Therapie besteht noch viel Forschungsbedarf, die meisten Daten gibt es zur so genannten dialektisch-behavioralen Therapie.
Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen
Studien zu positiv bewertet?
In Studien zur Wirkung von modernen Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen wurden Ergebnisse möglicherweise unangemessen positiv dargestellt. Eine Reanalyse weist auf Fehler in Methodik, Auswertung und Ergebnisinterpretation und macht auf eine hohe Rate an schweren Nebenwirkungen wie erhöhter Suizidalität aufmerksam.